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Vor dem Aus? Davie Selke verdrängt Vedad Ibisevic im Hertha-Sturm

Vor dem Aus? Davie Selke verdrängt Vedad Ibisevic im Hertha-Sturm

Die Erstellung des Spielplans für die Fußball-Bundesliga ist eine geheime Wissenschaft, die für Uneingeweihte fast so kompliziert ist wie Quantenphysik. Sie muss diverse Parameter berücksichtigen, die Wünsche der Polizei genauso wie Vorlieben der Vereine. Und in der Vergangenheit haben auch Marketingaspekte eine Rolle gespielt. Es gab zum Beispiel eine Zeit, in der die Deutsche Fußball-Liga sämtliche Derbys in einen Spieltag gepackt hat, um das Ganze dann medial entsprechend zu verkaufen. Derzeit sieht es ein bisschen so aus, als hätte die Liga die Davie-Selke-Nostalgiewochen ausgerufen. Für vier Vereine – Stuttgart, Hoffenheim, Bremen und Leipzig – hat der Stürmer bisher gespielt, ehe er im Sommer zu Hertha BSC gewechselt ist. In diesen Wochen arbeitet er seine sämtlichen Ex-Vereine ab, einen nach dem anderen.

Angefangen hat es am letzten Spieltag der Vorrunde gegen Leipzig, zum Rückrundenauftakt ging es gegen den VfB, an diesem Samstag kehrte er nach Bremen zurück, ehe in der kommenden Woche Hoffenheim in Berlin gastiert. Vor allem in Leipzig war zu sehen, dass Selke gehörig angefixt war, dass er nach einem Jahr als Ergänzungsspieler das Gefühl hatte, er müsse noch etwas geraderücken. Trotzdem sagt er mit Blick auf die Begegnung im Weserstadion: „Das ist für mich das einzige Spiel, das ein bisschen emotionaler ist. Werder ist für mich ein besonderer Verein. Bremen habe ich eine Menge zu verdanken.“

Speziell war es für ihn auch in Leipzig, alles andere wäre gelogen. Selke stürzte sich in jeden Zweikampf, gab keinen Ball verloren, lief bis zur Erschöpfung und steuerte zwei Tore zum Auswärtssieg des Berliner Fußball-Bundesligisten bei. „Ich wollte zeigen, dass ich auch in der Bundesliga gut spielen kann“, sagte er. Aber das Spiel in Leipzig war nicht nur wichtig für Selkes Selbstverständnis – es war auch wichtig für sein Standing bei Hertha, nachdem er zu Saisonbeginn wegen einer Verletzung drei Monate gefehlt hatte. Die Partie gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber kurz vor Weihnachten war für den 23-Jährigen so etwas wie das inoffizielle Ende seiner Probezeit bei den Berlinern.

Selke ist Herthas Rekordtransfer

Selke, mit stolzen neun Millionen Euro Ablöse der Rekordtransfer des Vereins, darf sich bei Hertha mehr und mehr als Stammspieler fühlen, obwohl er auf seiner Position mit niemand Geringerem als Kapitän Vedad Ibisevic um den Platz in der Startelf konkurriert. „Man kann sich nie sicher sein, dass man von Anfang an spielt“, sagt Selke. „Aber wenn ich spiele, versuche ich zu zeigen, was ich kann, und es dem Trainer so schwer wie möglich zu machen, mich wieder rauszunehmen. Das hat in den letzten Spielen gut funktioniert.“

Beide Stürmer seien gut drauf, hat Dardai dieser Tage berichtet, die Unterschiede bei den Trainingsleistungen und der Torquote nicht allzu groß. Deshalb sei es schwierig für den, der draußen bleiben müsse. „Für mich ist es das auch.“ Herthas Trainer hat zudem erzählt, dass die Entscheidung – Selke oder Ibisevic? – davon abhängt, wie er den jeweiligen Gegner erwartet: „Wenn es ein Spiel gibt, in dem der Gegner tief steht und wir gegen eine Wand spielen, dann ist Vedad spielerisch besser.“ Selke hingegen sei schneller und der bessere Konterspieler. Dass Werder bei einem Heimspiel den eigenen Strafraum verbarrikadiert, ist eher nicht zu erwarten.

Erst Mitte Oktober gab er sein Debüt

Obwohl Selke erst Mitte Oktober sein erstes Spiel für Hertha bestritten hat, ist er inzwischen mit wettbewerbsübergreifend neun Treffern bester Torschütze der Berliner. Er hat immer noch Schwierigkeiten, wenn er in das Kombinationsspiel eingebunden werden soll. Im Strafraum aber ist Selke ein Monster. Er verfügt über das Gespür, das Stürmer brauchen. Gegen Dortmund war das zuletzt fast prototypisch zu sehen. Sein Gegenspieler Sokratis hatte den Blick nach außen auf den Ball gerichtet. Als dann der Pass von Valentino Lazaro in die Mitte kam, hatte sich Selke im Rücken des Dortmunders abgesetzt, so dass er vollkommen frei stand und zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung für die Berliner traf.

Selkes Verpflichtung im Sommer war auch ein Transfer mit Weitsicht. Hertha hat die Verträge mit Vedad Ibisevic, 33, und Salomon Kalou, 32, zwar erst im vergangenen Jahr noch einmal verlängert. Aber angesichts ihres fortgeschrittenen Alters war absehbar, dass die Berliner mittelfristig Alternativen für die Offensive benötigen würden. Inzwischen lässt es sich nicht mehr übersehen, dass der Generationswechsel voll im Gange ist. Seitdem Vedad Ibisevic im August 2015 nach Berlin gewechselt ist, hat er in der Bundesliga nur elf Spiele verpasst. Neun Mal fehlte er gesperrt, nur zwei Mal saß er auf der Bank, ohne wenigstens eingewechselt zu werden: am 16. Spieltag dieser Saison und vorige Woche gegen Dortmund.

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