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Miralem Pjanic beeindruckende Laufbahn: “Mali princ” ganz groß

Miralem Pjanic beeindruckende Laufbahn: “Mali princ” ganz groß

Wie es das Schicksal so wollte, durfte Geburtstagskind Miralem Pjanic (heute 31 geworden) sein 100. Länderspiel ausgerechnet am Mittwoch gegen Frankreich machen – die Nationalmannschaft, neben Luxemburg, die er für Bosnien und Herzegowina ablehnte. Anlässlich dessen werfen wir einen Blick auf die bisherige Karriere unseres Mittelfeldmannes.

Der in Tuzla geborene Sohn des ehemaligen Torhüters Fahrudin Pjanic, Miralem Pjanic, gab am Mittwoch beim Qualifikationsspiel gegen Frankreich (0:1) sein mittlerweile 100. Länderspiel. Als Sohn eines ehemaligen Profifußballers, der in der dritten Liga von Jugoslawien für seinen Heimatverein FK Drinva Zvornik im Kasten stand, war der Weg bereits geebnet, mit seiner ersten Profistation beim FC Metz in Frankreich trat er auch offiziell in die Fußstapfen seines Vaters, welche er nicht nur ausgefüllt, sondern weit vergrößert hat.

Seine fußballerischen Anfänge machte Miralem Pjanic in Luxemburg, nachdem die Familie kurz vor Ausbruch des Krieges das Heimatland verlassen hatte, da sein Vater Fahrudin ein Angebot von einem luxemburgischen Verein vorliegen hatte. Zunächst verweigerte der Verein die Freigabe, doch als der Klubpräsident Fahrudins Frau Fatima und den kleinen Miralem weinend im Vereinsheim erblickte, lenkte er schließlich ein und genehmigte den Wechsel. Im Alter von sieben Jahren bemerkte sein Vater, dass der kleine Miralem fußballerisch talentiert ist, weswegen er ihm erlaubte dem örtlichen Verein FC Schifflange 95 beizutreten, wo sein großes Talent nicht verborgen blieb.  “Auf unseren Reisen von Luxemburg nach Bosnien verbrachte er zwölf Stunden damit, mit dem Ball zu spielen und zu jonglieren. Eines Tages wurde ich mitten in der Nacht von einem lauten Krachen an der Garage wach. Ich befürchtete, dass es sich um Einbrecher handelte. Aber es war nur mein Sohn, der mit dem Ball aufs Tor schoss“, erzählte sein Vater im Interview mit 11freunde. Er galt als extrem talentiert und spielte bereits als 13-jähriger gegen 16-jährige. In den Jugendmannschaften wurde er von einigen Vereinen aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland gescoutet, entschied sich dann aber für den FC Metz aus Frankreich. Ausschlaggebend war dafür der luxemburgische Nationalspieler Guy Heller, der dem Klub die Verpflichtung von Pjanic empfahl. “Wir haben in Luxemburg alles gewonnen, auch gegen die Älteren“, blickte Ricardo Thom, ehemaliger Mitspieler und guter Freund, mal in der “Tiroler Tageszeitung” zurück. Wann immer es ging, wurde Fußball gespielt. Auch wenn das bedeutete, zerschossene Glastüren mit Superkleber zu flicken, wie Pjanic grinsend berichtet. Doch allzu lange hielt es den begabten Youngster nicht in Luxemburg. “Es war abzusehen, dass so ein Talent nicht lange in Luxemburg spielt“, betonte Thom, wenngleich Pjanic zugab: “Meine Passion war größer und ich war in der Schule dafür vielleicht ein bisschen schlechter.”

Bei Metz spielte er zunächst für die Jugendmannschaften, jedoch dauerte es nicht lange, ehe ihn der damalige Trainer Francis De Taddeo in die erste Mannschaft berief und ihm somit zum Profi Debüt verhalf. Am 17. August 2007 gab er sein Pflichtspieldebüt gegen Paris Saint-Germain, welches 0:0 endete. Bereits am nächsten Spieltag stand er beim 2:0-Sieg gegen Rennes in der Startaufstellung. In der ersten Saison als Profi brillierte Pjanic, ist er doch bis heute einer der jüngsten Torschützen der Ligue 1. Im Rennen als Nachwuchsspieler des Jahres musste er sich damals einem gewissen Hatem Ben Arfa geschlagen geben. In seinem ersten Profijahr bei Metz kam er dank seines Talents zu 38 Einsätzen, in denen ihm fünf Tore gelangen. Am Ende der Saison stieg der Verein dennoch ab und er hatte die Qual der Wahl, wie der nächste Karriereschritt aussehen sollte, da schnell klar war, dass sein Talent für Metz viel zu groß ist.

Am 06. Juni 2008 wurde bekanntgegeben, dass er gegen eine Ablösesumme in Höhe von 7,5 Mio. € plus Boni zu Olympique Lyon wechselt. Dort angekommen wurde er als Nachfolger von Juninho auserkoren. Seine erste Saison in Lyon wurde durch eine Verletzung, welche er gegen Sochaux erlitt, ausgebremst, so dass er erst in der zweiten Saison zeigen konnte, was in ihm steckt. “Er kam nach der Saison zu mir und erzählte, wie unzufrieden er mit sich sei. Ich habe ihm gesagt, dass wir mit seiner Entwicklung zufrieden sind und ihm weiter Zeit geben“, erzählte Lyons Coach Claude Puel in der “L’Equipe”. Doch Pjanic ist nicht nur außerordentlich talentiert, sondern auch ehrgeizig und extrem lernwillig, wie ihn viele Trainer beschrieben. “Er ist erst 19, aber schon unheimlich weit für sein Alter. Er hat diese besondere Spielintelligenz und die Technik, um sie auf dem Platz umzusetzen“, wurde Puel in der “L’Equipe” zitiert. Lediglich an seiner schmächtigen Statur hatte der Trainer was auszusetzen.

All diese Entwicklungen blieben auch Nationalmannschaften nicht verborgen. Pjanic spielte für die Jugendnationalmannschaften Luxemburgs, durfte aufgrund seiner Zeit in Frankreich aber auch für Frankreich spielen. In einem Interview für die bosnischen Medien gab er an, dass er für die bosnische Nationalmannschaft spielen will. Zunächst wurde er nur für die U21 berufen, bald schon sollte es in die A-Nationalmannschaft gehen. Nach acht langen Monaten des Wartens, da er keinen bosnischen Pass hatte, und dank des Einsatzes von Zeljko Komsic, durfte er am 20.08.2008 im Freundschaftsspiel gegen Bulgarien im Alter von 18 Jahren debütieren. Noch heute spricht er von einer “Herzensangelegenheit” wenn er nach der Entscheidung für Bosnien befragt wird. Ein Beispiel: Als in Form des Flutunglücks im Mai 2014 erneut eine Katastrophe Bosnien heimsuchte, handelte Pjanic kurzerhand: Während des Trainingslagers der bosnischen Nationalmannschaft in Sarajevo ging er an einem freien Abend in eine größere Apotheke, kaufte sie komplett leer und schickte die Medizin und die Hygieneartikel in mehreren Lastwagen in die betroffenen Städte.

Die zweite Saison in Lyon war sein Durchbruch: zu Beginn bekam er die 8 von Juninho, welcher bis heute eine Vereinsikone in Lyon ist. In der Champions League begann sein Stern auch aufzugehen. Ein Freistoßtor, dem viele weitere folgen sollten, gegen Anderlecht in den Play-Offs zur Champions League war sein Debüttor für Lyon. Dank weiterer Treffer gegen Florenz, den ungarischen Vertreter Debreceni und Real Madrid, drang Lyon bis ins Viertelfinale der Champions League vor.

In seinem dritten Jahr in Lyon wurde ihm der hochtalentierte Yoann Gourcuff vor die Nase gesetzt. Der damalige Trainer Claude Puel verbannte Pjanic nach dem 3. Spieltag auf die Bank, jedoch kam er zurück, doch das Tischtuch war zerrissen, und so zog es ihn weiter nach Italien, wo das erfolgreichste Kapitel seiner Laufbahn folgen sollte.

Esultanza Miralem Pjanic Roma dopo il gol 1-2 Goal celebration
Parma 24-09-2014 Stadio Ennio Tardini, Football Calcio Serie A Parma – AS Roma. Foto Andrea Staccioli / Insidefoto

Am 31. August 2011, dem Deadline-Day, erfolgte die Unterschrift bei der AS Roma. Neues Land, neue Sprache, neue Umgebung – Pjanic musste sich in seinem ersten Jahr zurechtfinden, so dass er erst in der Saison 2012/2013 richtig durchstarten konnte. Nach seinem Tor im Derby della Capitale gegen Lazio Rom platzte der Knoten und Pjanic wurde regelmäßig eingesetzt. Im darauffolgenden Jahr änderte sich mit der Ankunft von Rudi Garcia alles. In dem neu etablierten 4-3-3 nahm Pjanic schnell eine Schlüsselrolle ein. Die Roma startete mit zehn Siegen in Folge in die Saison. In dieser Saison besiegte Rom AC Mailand mit 2:0 und Pjanic machte einen unglaublichen Sololauf, den er mit einem Tor erfolgreich abschließen konnte. Zu der Zeit befand er sich vermeintlich auf dem Höhepunkt seiner Karriere und hatte entscheidenden Anteil daran, dass die bosnische Nationalmannschaft erstmalig, und bislang einmalig, an einer Weltmeisterschaft teilnehmen konnte. Mit seinem 1:0 Führungstreffer beim Spiel gegen den Iran half Pjanic dabei den ersten Sieg von Bosnien-Herzegowina bei einer Weltmeisterschaft zu holen. Logischerweise wurde er in dieser Saison auch zu Roms Spieler des Jahres gewählt. “Als ich die Wahl treffen musste, ob ich fortan für Bosnien-Herzegowina, Luxemburg oder Frankreich spielen würde, habe ich mich aus sportlichen Gründen für Bosnien entschieden. Mein Herz schlägt halt für Bosnien-Herzegowina und deshalb freue ich mich besonders, dass ich meinem Land dazu verhelfen konnte, die Qualifikation zur WM zu schaffen“, blickte Pjanic im “Luxemburger Wort” zurück.

Die Saison konnte Rom auf einem starken zweiten Platz abschließen, wodurch sie sich wieder als Spitzenteam im italienischen Fußball etablierten. Zur Vorbereitung der neuen Saison packte Pjanic direkt das nächste Traumtor aus: beim International Champions Cup in den USA spielte Rom gegen Manchester United. Er sah aus guten 55 Metern, dass der Torwart zu weit draußen stand und bugsierte den Ball knapp unter die Latte und ins Tor!

Spätestens nach diesem Tor galt er auch in Italien als Starspieler. Auch in der Saison 2015/2016 machte er ein spektakuläres Tor gegen seinen baldigen Arbeitgeber Juventus Turin. In seiner Karriere gelangen ihm wahnsinnig viele Traumtore, die wunderbar in dem untenstehenden Video zusammengefasst sind. In der Saison 15/16 stand er mit seinem Kapitän aus der Nationalmannschaft, Edin Dzeko, gemeinsam für die Roma auf dem Spielfeld. “Er ist ein guter Freund, jeder weiß, dass ich gerne mit ihm zusammen spielen würde“, sagte Dzeko, während Pjanic Druck auf den Klub machte, indem er nicht müde wurde zu betonen, dass es nur an der Roma liegen würde, ob der Wechsel zustande kommen würde oder nicht. Auch diese Saison erwies sich als Erfolg, belegte die Mannschaft doch am Ende einen starken dritten Platz hinter dem Branchenprimus Juventus Turin und der SSC Neapel. Mit der Roma hatte er bis dahin fast alles erreicht, was es zu erreichen gab, so dass in der Transferphase Gerüchte über mögliche Wechsel aufkamen. Tatsächlich wechselte er für 32 Mio. € zu Juventus Turin, wo das nächste erfolgreiche Kapitel seiner Karriere anfing. Naturgemäß wurde der Wechsel von den Roma Fans nicht positiv aufgefasst. So gut wie es für ihn persönlich auf Vereinsebene lief, so mittelmäßig lief es regelmäßig bei der Nationalmannschaft. Immer wieder musste sich unsere Nummer zehn anhören, dass er auf dem Feld für die Nationalmannschaft schlechter spielt als im Verein. Wenn wir außer Acht lassen, dass dies Pjanic, der mit Frankreich hätte Weltmeister werden können, absolut nicht gerecht wird, gilt es auch andere Umstände zu berücksichtigen. Pjanic ist ein sehr versierter Techniker, doch am Ende bleibt der Fußball ein Mannschaftssport und auch er kann nicht alles alleine machen. Während er bei der Roma, Juventus und in Barcelona Weltklasse um sich herum hat, sind seine Mitspieler aus der bosnischen Nationalmannschaft qualitativ ein wenig darunter anzusiedeln. Bis zur WM-Teilnahme in Brasilien kam die bosnische Nationalmannschaft regelmäßig bis in die Play-Offs, jedoch wurde der letzte Schritt stets in den Sand gesetzt.

Nachdem es Paul Pogba zu Manchester United zog, nahm Pjanic den frei gewordenen Platz bei Juventus Turin ein. Hier sollte seine bislang trophäenreichste Zeit beginnen. Gleich in seiner ersten Saison holte er das Double, musste sich im Finale der Champions League aber Real Madrid geschlagen eben, wodurch das Triple verpasst worden ist. Die Zeit bei Juventus Turin war größtenteils davon geprägt, dass Pjanic auf nationaler Ebene mit Juventus alles gewann, jedoch auf internationaler Ebene der Coup einfach nicht gelingen sollte. Sein Ende bei Juventus Turin kam ausgerechnet gegen Lyon, welches Juventus Turin im Achtelfinale der Champions League rauswarf. Anschließend wechselte Pjanic nach Barcelona, welches des Öfteren mit ihm in Verbindung gebracht worden war und zu dem er dank seines natürlichen Kurzpassspiels perfekt zu passen schien. Was vielleicht aber wenigen bekannt ist: er ist selbsternannter Real Madrid Fan. “Seit meiner Kindheit träume ich von Real. Noch aber bin ich weit davon entfernt, für dieses große Team aufzulaufen“, sagte er zu seiner Zeit in Lyon.

Nach einem durchaus kontroversen Wechsel zum FC Barcelona, der von den Anhängern gefeiert worden ist, genießt er unter seinem Trainer Ronald Koeman kein großes Vertrauen. Immer wieder pendelt er zwischen Tribüne, Bank und erste Elf, wodurch die Eingewöhnung nur noch schwerer fällt. Jüngst sagte Pjanic, er wolle nicht aufgeben und er sei nicht gekommen, um nur für eine Saison ein Teil des Teams zu sein. “Ich habe nicht bei Barca unterschrieben, um ein Jahr später wieder zu gehen. Ich habe unterschrieben, um bei einem Klub Geschichte zu schreiben, der in meiner Karriere immer wieder meinen Weg gekreuzt hat“, erläuterte Pjanic. Nach Angaben des seit heute 31-Jährigen sei er bereits im Alter von 16 Jahren beinahe aus Metz in die zweite Mannschaft der Katalanen gewechselt. Außerdem habe sich der ehemalige Barca-Sportdirektor Eric Abidal bereits zwei Jahre vor Pjanics Wechsel um den Mittelfeldspieler bemüht. “Damals hat der Klub in Antoine Griezmann investiert und für mich war kein Geld übrig“, führte Pjanic aus und ergänzte: “Ich habe zwei Jahre warten müssen, um den Traum leben zu dürfen, ein Barca-Spieler zu sein.” Dabei gibt er sich auch konstant große Mühe, seinen Trainer vor eine schwere Entscheidung zu stellen. “Ich gebe niemals auf. Wenn ich nicht spiele, trainiere ich am nächsten Morgen härter als je zuvor, sodass die Coaches sehen, dass ich niemals aufgebe.” Wie es bei Barcelona für ihn weiter gehen wird bleibt abzuwarten. Trotz allem hat er eine brillante Karriere hingelegt.

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