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Ajdin Reiz im Interview: “Es wird ein großes Spektakel!”

Ajdin Reiz im Interview: “Es wird ein großes Spektakel!”

In sechs Tagen ist es so weit: in der Westfalenhalle in Dortmund tritt Felix Sturm (Adnan Ćatić) zum WM-Ausscheidungskampf an. Neben ihm wird ein weiterer Boxer mit bosnischen Wurzeln kämpfen: Ajdin Reiz (Reizović) ist im Vorprogramm und wird ab ungefähr 20 Uhr seinen nächsten Sieg suchen. Anlässlich dessen trafen wir uns zu einem persönlichen Interview mit Ajdin, bei dem von A bis Z über alles geredet wurde.

Der nun 43-jährige Felix Sturm wird am Samstag, den 26. März, zu seinem nächsten Kampf antreten. Für ihn geht es gegen den Ungarn Istvan Szili. Szili soll dabei nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zum WM-Titel sein, da sich Sturm langsam wieder rankämpft, nachdem er zwischen 2016 und 2020 eine Zwangspause einlegen musste.

Ab 18 Uhr geht es los und gute zwei Stunden später dürfen wir dem ersten Kämpfer mit bosnischen Wurzeln zujubeln und ihn anfeuern: Ajdin Reiz (24). Der gebürtige Duisburger wird gegen Pal Olah (Ungarn) antreten und seinen achten Profisieg erringen wollen. Daher haben wir uns gleich dem Kampf gewidmet und auf diesen ist er top vorbereitet, wie er uns erzählte. „Das waren die bislang besten Vorbereitungen meiner Karriere! Mein Umfeld hat alles getan, damit ich mich bestmöglich auf den Kampf und Gegner einstellen kann“, so Ajdin zu Beginn. Zu seinem Gegner sagte er, dass er „größer, unangenehm und beweglich“ ist, doch auch dafür hat sein Trainerteam eine Lösung gefunden. Es gilt den Gegner zu stellen und genau darauf hat er sich eingestellt, auch in den Sparringseinheiten, wo er alles von sich gegeben hat. Zur Erklärung: beim Sparring sucht man sich einen Trainingspartner, der in ungefähr derselben Gewichtsklasse boxt und dann tritt man in einem Kampf gegen ihn an, es wird alles gegeben und sich nicht zurückgehalten.

Der Kampf in der Westfalenhalle wird zugleich auch sein größter Kampf, denn es werden bis zu 10.000 Zuschauer erwartet. Seine Profikarriere fing mitten in der Corona-Zeit an, weswegen er bislang vor einigen hunderten Zuschauern boxen konnte. Nicht desto trotz blickt er dem Kampf voller Freude entgegen, denn es werden auch viele bosnische Fans erwartet, es wird bosnische Musik laufen, Fahnen werden geschwenkt und nicht zuletzt lassen sich Fangruppen blicken.

Wie bereits erwähnt möchte er seinen achten Sieg erkämpfen. Boxen macht er nun seit gut zwölf Jahren und daher war die Frage naheliegend, ob es immer noch ein besonderes Gefühl ist in den Ring zu steigen. „Es ist immer was Besonderes“, antwortete er uns wie aus der Pistole geschossen, bevor er uns leidenschaftlich beschrieb, wieso er dieses Gefühl in sich trägt. „Es wird wochenlang auf diesen einen Tag hingearbeitet. Deine Familie, deine Trainer und alle, die hinter dir stehen und dir geholfen haben, sind an diesem Tag gefühlt mit dir im Ring, denn es ist auch deren Verdienst. Das krasseste Gefühl ist kurz vor dem Kampf. Du hörst zwar alles um dich herum, nimmst es aber nicht genau wahr, weil du komplett auf dich fokussiert bist. Alle sind angespannt, das Fernsehen kommt in die Kabine und sagt dir, wann es los geht. Du hörst deine Einlaufmusik und gehst los Richtung Ring. Dieser Moment entscheidet alles, denn hier kommt alles zusammen, es geht um alles oder nichts. Dein Gegner hat sich genauso gut wie du vorbereitet, du musst bereit sein alles von dir zu geben und das Risiko eingehen vielleicht nicht mehr gesund rauszukommen, vielleicht auch zu sterben. Dann wenn du im Ring stehst und boxt, packt dich das Adrenalin, du ziehst dein Ding durch“, beschrieb er uns die letzten Minuten vor einem Kampf, ohne zwischendurch Luft zu holen.

Am liebsten hat Ajdin es, wenn er seinen Gegner K.O. schlagen kann. „Den Gegner umzuhauen ist besser, als wenn das Handtuch geworfen wird. Du spürst, dass dein Gegner noch einen guten Treffer braucht, um zu fallen und wenn du diesen setzt, dann merkst du das. Ein unbeschreibliches Gefühl!

Auf diesen Kampf hat er sich gute zehn Wochen lang vorbereitet und da ist die Frage naheliegend, warum es immer so lange Pausen gibt. Sollte er nicht so oder so top fit sein? „Die Vorbereitungen dauern deshalb so lange, weil man nach jedem Kampf viel Zeit braucht für alles. Man muss sich auf den Gegner und seine Stärken sowie Schwächen einstellen, gleichzeitig aber auch an den eigenen

Die Topform erkennt man sehr gut!

Schwächen arbeiten und diese abstellen. Man will von Kampf zu Kampf besser werden. Es wird viel die Kraft, Fitness und Ausdauer trainiert und deshalb dauert es“. Diese zehn Wochen sind eine harte Zeit, wie er uns bestätigt, und auch relativ monoton. „Ich stehe morgens auf, esse kurz was und danach geht es zum Training. Danach wird erneut was gegessen, wieder trainiert, gegessen und ein kleiner Schlaf zur Regeneration gemacht. Am Abend gibt es noch ein Training, danach esse ich wieder und dann ist auch schon die Zeit gekommen, um zu schlafen“, beschrieb er uns seinen Alltag während der Vorbereitungen zu den Kämpfen.

Danach haben wir ihn gefragt, wie so ein Profialltag kurz vor dem Kampf aussieht, und auch darauf bekamen wir eine ausführliche Antwort. Trainiert er? Entspannt er? „Kurz vor dem Kampf ist es meistens nicht so spektakulär. Einen Tag vorher ist das Wiegen am Kampfort und dann gehen wir auch ins Hotel. Am Tag selbst gehe ich nach dem Aufstehen spazieren, aber in Begleitung, so dass ich unter meinen Leuten bin. Wir essen etwas und gehen dann in die Halle, wo der Kampf stattfinden wird“, schilderte er uns den Ablauf, der ihn auch an diesem Wochenende erwarten wird.

Ajdins Kampf wird über maximal sechs Runden gehen. Derzeit ist er in der Rangliste auf Rang 450 von 1800, sein Ziel ist es gegen Ende des Jahres die ersten Kämpfen über acht oder zehn Runden zu bestreiten. Das dürfte für ihn sehr ungewohnt sein, denn er hatte bislang nur einen Kampf über sechs Runden, weswegen das für ihn ein völlig neues Gefühl war. „Das war für mich was ganz Neues, denn ich kannte dieses Gefühl ja gar nicht. Dennoch will ich bis zum Ende des Jahres über mehr Runden gehen und mich hocharbeiten.“

Zum Ende des Interviews haben wir uns ihm persönlich, aber auch seiner Freundschaft mit Felix Sturm gewidmet. Diese reicht ins Jahr 2010 zurück, als Sturm einen Kampf in Köln bestritt und Ajdin dank Bekannten in den VIP Bereich durfte. Dort machte er ein Foto von Felix Sturm, damals wie heute sein größtes Idol, wie er uns mit funkelnden Augen erzählt. „Für mich war er der Größte, es gab einfach keinen krasseren als ihn. Ich habe dieses Foto mit ihm gemacht und ab da wusste ich, dass ich selber auch Boxer werden möchte. Anschließend hat er mich immer wieder im VIP Bereich angetroffen, was nicht schwer war, denn ich war immer der kleinste Mensch, der da rumlief. Daraus entwickelte sich dann die Freundschaft und heute stehen wir in einer sehr engen Beziehung zueinander“, erinnerte er sich für uns an die Zeit zurück, wo er sein Idol traf.

Vom größten Fan zum Trainingspartner und einem sehr guten Freund – er hat sich seinen Traum erfüllt!

Für den Kampf von seinem Idol macht er sich gar keine Sorgen. „Ado ist ein Vollprofi, es ist unbeschreiblich. Training, Ernährung – alles nicht von der Welt. Er lebt den Sport zu 110% , deswegen ist er im hohen Alter auch noch in Topform. Er ist einfach ein Champion. Er ist perfekt vorbereitet, uns wird ein Spektakel erwarten, denn wir haben auch einen sehr guten Gegner – das wird einfach ein brutaler Kampf!

Neben all diesen Dingen gab es auch Tiefpunkte in seiner Karriere. Bereits in jungen Jahren eröffnete er auf facebook eine eigene Seite, die man mit „Gefällt mir“ markieren konnte, was ihm in seiner Schulzeit natürlich erstmal Spott einbrachte. Durch seinen eisernen Willen machte er sich jedoch schon bald einen Namen, doch der Tiefpunkt folgte. „Mein bisheriger Tiefpunkt war, als ich noch relativ zu Beginn meiner Karriere drei Niederlagen in Folge kassierte. Das war natürlich eine echt harte Zeit. Nach der ersten Niederlage sagt man sich ‚komm, das war ein Ausrutscher‘ und trainiert noch härter, gibt sich noch mehr Mühe. Nach der zweiten Niederlage fängt auch dein Umfeld langsam an, an dir zu zweifeln, doch du willst es umso mehr, willst es allen, aber vor allem dir selbst beweisen und holst noch mehr aus dir raus. Und dann verlierst du auch den zweiten Kampf. Das ist dann der Moment bei mir gewesen, wo ich selbst anfing etwas zu zweifeln. Auch meine engsten Leute redeten mir das alles etwas aus, natürlich weil sie es gut mit mir meinten, aber mein Wille hat er mir nicht erlaubt aufzuhören, deswegen gab ich noch mehr. Und dann verlor ich den dritten Kampf. Ich lies für meinen Traum alles stehen und liegen, lies meine Engsten teilweise an meinem Geburtstag, für den sie extra angereist waren, zuhause ohne mich feiern, da ich nur kurz da sein konnte und es anschließend zum Training ging. Wenn du trotz aller Umstände in dieser Lage psychisch stark genug bist, trotz aller Widerstände weiterzumachen, dann wirst du alles schaffen. Glaub an das was du tust und lass dir nichts einreden. Glaub an dich und Gottes Plan, alles andere ist wenig wert. Ich habe noch viel mehr investiert, auf noch mehr verzichtet – und dann gewann ich wieder“, erzählte er uns die bewegende Story von dem Tiefpunkt seiner Karriere. Einen Tipp hat er auch noch parat für alle, die in eine vergleichbare Situation kommen sollten: „Seid einfach ihr selbst. Egal wie ihr seid, bleibt immer ihr selbst und zieht komplett durch, denn so fahrt ihr am besten.“

 

Er fing bereits in jungen Jahren an, doch er machte seine Schule und studiert heute, er steht kurz vor seinem Bachelor in einem anspruchsvollen Studiengang. „Was anderes hätten meine Eltern und Ado (Adnan Ćatić) nicht erlaubt. Ohne Plan B geht es nicht, daher mache ich gerade mein Studium fertig.

Zu guter Letzt haben wir ihn noch gefragt, ob wir eines Tages Sturm als seine Begleitung sehen werden. „Mein Traum ist es gemeinsam mit ihm einzulaufen. Er war schon immer mein größtes Vorbild und Idol, ich wollte seinen Weg gehen. Von ihm gecoacht zu werden, dass er in meiner Ecke steht – das wär’s! Aber ich glaube, dass weiß er selbst auch.

 

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