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Was macht eigentlich Hasan Salihamidžić?

Was macht eigentlich Hasan Salihamidžić?

Das deutsche Fussballportal “11freunde.de” widmete unserem ehemaligen Nationalspieler Hasan Salihamidžić einen ganzen Artikel. Sein Lebensweg und Werdegang werden hervorgehoben. Die spannende und pointierte Anekdote über Hasan Salihamidžić aka “Brazzo” ist nachfolgend aufgeführt.

 

Brazzo – Bürschchen. So steht Hasan Salihamidzic im kollektiven Gedächtnis von Fußball-Deutschland. Einer dieser Spieler, auf den sich alle einigen konnten. Ganz egal, ob er nun in Hamburg, bei den Bayern oder zum Ende seiner glorreichen Karriere sogar in Wolfsburg spielte. Brazzo war immer mehr als nur der Spieler eines Vereins, zu dem er gehörte. Immer Liebling. Weil er dieses Lächeln im Gesicht trug. Weil er kämpfte und rannte, jede Minute. Als wäre ihm jemand auf den Fersen. Das Leben vielleicht.

Salihamidzics Leben, das war schon immer nur der Fußball. Im bosnischen Jablanica geboren, kickte er wann und wo immer er konnte: »Wir wohnten in einem der vielen Wohnblöcke. In der Mitte gab es einen Bolzplatz. Das war mein Zuhause.” Mit zehn tritt er seinem ersten Verein bei, vier Jahre später wechselt er zu Velez ins benachbarte Mostar.

Ein einziges Märchen

Dann rennt er los, dem Leben davon und zugleich hinterher. Auf dem Balkan tobt der Krieg. Salihamidzics Vater, früher selbst Profi in der zweiten jugoslawischen Liga, schickt seinen einzigen Sohn zu einem Freund nach Hamburg und gibt ihm seine Hoffnung mit auf den Weg: »Dort bist du sicher und besser aufgehoben. Vielleicht wirst du ja in Deutschland ein großer Fußballer.« Der besagte Freund bringt ihn zum HSV. Der Rest ist Geschichte. Oder besser: ein Märchen.

Es beginnt mit Tränen: »Die ersten Monate waren schrecklich. Ich sprach kein Deutsch, konnte nicht nach Hause telefonieren, weil die Leitungen kaputt waren«, so Salihamidzic im Rückblick. Doch der Junge kämpft. Und wird gefördert. Erst von HSV-Jugendtrainer Rudi Kargus, dann von Felix Magath. Der trainiert damals noch die Amateur-Mannschaft der Hanseaten, holt den Bosnier als 17-Jährigen zu sich und später, nach seiner Beförderung zum Chefcoach der Bundesliga-Mannschaft, auch ins Oberhaus.

Dann die Bayern, bei denen er sich gegen jede Erwartung nicht nur durchsetzt, sondern zu einem Allround-Rotations-Leistungsträger wird. Klingt komisch, ist aber so. Sechs deutsche Meisterschaften, die Champions League 2001, Brazzo-Wahnsinn. Ein Mentalitäts-Spieler mit Talent. Oder um es mit seinen eigenen Worten zu sagen: »Wenn das Selbstvertrauen plötzlich weg ist, dann hast du nur eine Chance. Lass die Schönspielerei, krempel die Ärmel hoch und kämpfe.«

Eine Einstellung, die ankommt. Bei Mitspielern, wie Stefan Effenberg, der einst im ihm ureigenen Cheffe-Duktus anerkannte: »Vielleicht schläft er nachts mit dem Finger in der Steckdose.« Bei den Trainern sowieso. Ob Felix Magath: »Ein absolutes Vorbild für die Mannschaft«, oder bei Ottmar Hitzfeld: »Salihamidzic können wir nicht ersetzen.«

Mussten sie dann aber doch. Nach immer wiederkehrenden Verletzungspausen und weniger werdenden Einsatzzeiten entschied er sich 2007 für ein neues Abenteuer, für den Wechsel zu Juventus Turin. 2011 dann der Schluss-Akkord unter einer beeindruckenden Karriere. Salihamidzic kehrt für eine letzte Saison zurück in die Bundesliga, zum VfL Wolfsburg, wo inzwischen sein einstiger Förderer Felix Magath das Sagen hat.

Die schönste Geschichte, seit er als Spieler von den Bayern weg ist

Und dann? Schon während seiner Karriere unterstützte Salihamidzic nicht nur seine Familie finanziell, sondern überhaupt seine Heimat. Spendete der Schule seiner Geburtsstadt Gelder, dem Krankenhaus Medikamente. »Ich weiß, wo ich herkomme«, erklärt er, »und ich werde mir immer vor Augen halten, wo ich groß geworden bin.« Ansonsten ist er als launiger TV-Experte unterwegs, stand bereits sowohl für RTL als auch das ZDF vor der Kamera. Er unterstützt seine Frau Esther, die Schwester des ehemaligen Bundesligaprofis Francisco Copado und seit neuestem Betreiberin eines Yoga-Studios in München.

Auch bei den Bayern hat man Brazzo nicht vergessen, ihn unlängst neben Giovane Elber und Bixente Lizarazu zum Markenbotschafter des Vereins bestimmt. Kein reines Repräsentationsamt, wie Salihamidzic findet, der im Rahmen seiner neuen Aufgabe einen fixen Jahreskalender an PR- und Marketingterminen wahrnehmen soll: »Das ist die schönste Geschichte für mich, seitdem ich als Spieler vom FC Bayern weg bin.«

Gut möglich, dass sich diese Einschätzung in absehbarer Zeit ändert. Salihamidzics Sohn Nick gilt als talentiert, spielt in der U12 der SpVgg Unterhaching. Klingt noch nicht nach der großen Karriere. Dass das nichts bedeuten muss, weiß niemand besser als dessen Vater. Der Mann, den sie Brazzo nannten – Bürschchen.

 

 

 

Quelle: 11.freunde.de / Autor: Ilja Behnisch

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