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Sead Kolašinac – Spieler im Fokus

Sead Kolašinac – Spieler im Fokus

Photo by Gellinger, Lizenz: CC0 Creative Commons

„Es ist ekelhaft gegen mich zu spielen.“ – Besonders dieser eine Satz ist von der Schalker Zeit des gebürtigen Karlsruher Fußballprofis Sead Kolašinac übriggeblieben. Von Januar 2011 bis zum Sommer 2017 stand Kolašinac für die Blau-Weißen auf dem Platz und prägte dort bedeutend die Spielweise des Gelsenkirchener Erstligisten. Doch wer genau ist dieser Mann, der mit gerade 25 Jahren in der ersten englischen Liga für den FC Arsenal spielt? Und was genau ist so ekelhaft an einem Zweikampf mit ihm auf dem Rasen?

Aus dem Südwesten in den Kohlenpott

Sead Kolašinac wuchs in Karlsruhe auf und begann dort auch seine Fußballkarriere, bevor er über verschiedene Mannschaften den großen Sprung ins Nordrhein-Westfälische Gelsenkirchen wagte. Dort spielte er ab 2012 in der Bundesliga und gab parallel sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft, unter anderem an der Seite von Julian Draxler, und erzielte gegen Belgien sein erstes Länderspieltor. Die Analyse „ekelhaft“ stammt dabei von ihm selbst, zu Recht: Mit teilweise 81% gewonnenen Zweikämpfen und vielen Rettungsgrätschen avancierte er auf Schalke zu einer richtigen Plage für alle gegnerischen Offensivspieler.

Immer Kontakt zum Stürmer und im richtigen Moment auch mal offensiv vorlagengebend. Mit seinem Spiel passt er zur Schalker Mentalität wie kaum ein anderer, in eine Mannschaft, in der das richtige „Malochen“ mit Körpereinsatz noch über den eigentlichen Sieg gestellt wird. Tatsächlich hatte der S04 am Ende der Saison 2016/17 kein einziges Spiel gewonnen, in dem Kolašinac nicht auf dem Platz stand.

Londoner Luft

Nach dem Ende seines Vertrags in Gelsenkirchen entschied sich Sead Kolašinac entgegen früherer Gerüchte für den ablösungsfreien Wechsel und wurde im Sommer 2017 vom FC Arsenal London verpflichtet. Schon in seinem Auftaktspiel gegen Chelsea zeigte sich durch sein erstes Tor, dass der englische Erstligist mit ihm die richtige Entscheidung getroffen hatte. Stolze 27 Einsätze später ist der Verteidiger auch dort ein fester Bestandteil des Teams geworden. Umso unangenehmer, dass er Anfang August wegen einer Knieverletzung für mehrere Spiele ausfallen musste. Siege, wie das 5 zu 1 gegen Fulham verfolgte er also von der Bank aus. Es ist jedoch zu erwarten, dass er das Training bald wieder aufnehmen wird, um zu alter Form zurückzufinden.

Dass seine alte Form ein mächtiger Bonus für das Team bedeutet, zeigt auch seine Einschätzung beim digitalen Fußballspiel FIFA. Dort ist er zweifellos einer der stärksten Verteidiger der Premier League und bietet ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. In einer Zeit, in der der virtuelle Fußball immer mehr mit dem realen Fußball verwoben ist und Spieler wie Funktionäre sich teilweise sogar auch an dieser virtuellen Rangordnung orientieren, ist dies definitiv eine richtige Anerkennung und sollte Motivation genug sein, dass Sead Kolašinac die alte Form auch in Zukunft fortsetzen kann.

Einmal Schalker, immer Schalker

Aber auch nach dem Wechsel hat der ehemalige Schalker seine langjährige Heimat im Ruhrgebiet nicht vergessen. Frei nach dem Motto „Einmal Schalker, immer Schalker“ zeigte Kolašinac bei dem Europa-League-Auftaktspiel 2017 gegen den 1. FC Köln Kante. Nach seinem Ausgleichtor zum 1:1 in der 49. Minute zog er sein Trikot hoch und ein T-Shirt kam zum Vorschein, welches Schalker Fans ein Begriff sein dürfte. Mit der Aufschrift „Nordkurve in deiner Stadt“ stammt dieses Shirt aus der Schalker Ultra-Szene und wird seit Jahren immer wieder bei Auswärtsspielen eingesetzt, um im Fanblock ein einheitliches Bild abzugeben. Mit dieser Aktion erntete er nicht nur positive Stimmen und auch Fotos des Moments selbst zeigen, dass Teamkollegen wie der Franzose Olivier Giroud etwas verwundert waren. Kolašinacs alte Fans hingegen dürften sich sicherlich über die Geste gefreut haben.

National wie International

Photo by Fauzan Saari, Lizenz: CC0 Creative Commons

Nach seinem Länderspieldebüt in der U19 Nationalmannschaft für Deutschland wurde er für die Junioren-Europameisterschaft 2013 nominiert, kam aber während des gesamten Turniers nicht zum Einsatz. Ende dieses Jahres wurde Sead Kolašinac dann aufgrund seiner bosnischen Wurzeln erstmals in die bosnisch-herzegowinische Fußballnationalmannschaft berufen. Bei einem Länderspiel gegen Argentinien im US-Amerikanischen St-Louis gab er dabei unter Trainer Safet Sušić sein Debüt. Auch bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien stand Kolašinac für sein Team auf dem internationalen Rasen. Allerdings war die Teilnahme für ihn und sein Team nicht mit großem Erfolg gekrönt, sodass sie vorzeitig wieder die Heimreise antreten mussten. Bis heute ist Kolašinac ein fester Teil des bosnisch-herzegowinischen Nationalteams und kann der Mannschaft mit seinen erstklassischen Abwehrkünsten behilflich sein.

Ausnahmetalent Kolašinac

Sead Kolašinacs ist ein wahrer Allrounder. Seine erstklassigen Qualitäten als Defensivspieler, die ihm bei Schalke Kultstatus eingebracht haben, stehen längst außer Frage. Er besticht durch knallharten Körpereinsatz, aber auch durch analytische und clevere Entscheidungen in kniffligen Situationen. Darüber hinaus ist er aber auch offensiv nicht zu vernachlässigen. Immer wenn er aus seiner Abwehrposition heraus mal etwas mehr Zeit hat, dann nutzt er dieses Plus für eine überlegte Vorlage in Richtung des nächsten Angreifers und hat so schon einige Tore vorbereiten können. Besonders in der frühen Vergangenheit spielte er häufiger im Sturm, eine Tatsache, die ihm noch immer einen Vorteil gegenüber anderen Verteidigern beschert.

Es ist keine Vorhersage-Leistung, der Fußballprofikarriere von Sead Kolašinac eine große Zukunft zu prophezeien. Das letzte Wort über das Karlsruher Talent ist noch lange nicht gesprochen und momentan geht der Blick nach wie vor nach Arsenal. Doch was die Zukunft bringen mag, ist noch völlig offen.

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