Folge uns!

Allgemein

Miralem Pjanić im Interview mit Marca: “Koeman hat mich nicht respektiert”

Miralem Pjanić im Interview mit Marca: “Koeman hat mich nicht respektiert”

Nach seinem Leihwechsel zu Besiktas hat Miralem Pjanić ein langes Interview mit der spanischen Marca geführt. Darin lies er die ganze Saison revue passieren und nahm kein Blatt vor den Mund. Das komplette Interview haben wir für euch übersetzt, das Original kann man bei Marca (öffnet sich in neuem Tab) nachlesen.

Marca: “Wie geht’s dir?”

Pjanić:  “Ich bin sehr glücklich und motiviert. Ich bin gerade in Sarajevo angekommen, nachdem ich meine Vorstellung bei Besiktas hatte. Alles lief gut. Ich kann eine Situation, wie sie im vergangenen Jahr gewesen ist, nicht akzeptieren. Mir war klar, dass ich sowas nicht wollte, da ich ein Fußballer bin, der sehr gerne spielt, das macht mich glücklich. Für die neue Herausforderung bin ich motiviert.”

Marca: “Am besten wir fangen ganz vorne an. Warst du schon von klein auf für Barcelona?”

Pjanić: “Mir gefiel schon immer, wie Barca gespielt hat. Ich habe ihnen gerne zugesehen. Der Stil von Barca in den letzten Jahren entsprach meinem Stil, so wie ich gerne spiele. Wenn du dann Teil von Barca bist und dir die Spieler ansiehst, dann ist es genau das, wovon man geträumt hat. Für mich war es immer ein Ziel für einen so großen Verein wie Barca zu spielen. Aber ich habe nicht erwartet, dass die Situation in jeglicher Hinsicht so kompliziert sein würde.”

Marca: “Der Transfer war sehr oft nah. Es gibt ein Video, wo du vor Freude weinst. Was hat es dir bedeutet für Barca zu unterschreiben?”

Pjanić: “Diese Emotionen, die ich gezeigt habe, waren wegen meinen Eltern, denn als sie Bosnien verließen, war ich sehr stolz auf sie, aber es [bei Barca zu unterschreiben] war auch ein sehr großer Traum für mich. Bei Juve war ich sehr glücklich, ein herausragender Verein, aber Barca hatte bereits zwei Jahre lang versucht mich unter Vertrag zu nehmen, doch es klappte nicht. Dann kam die Gelegenheit, sie verpflichteten mich und ich war natürlich sehr glücklich darüber bei einem Verein zu sein, wovon jedes Kind träumt eines Tages für diesen zu spielen. Die Erwartungen an mich waren groß, denn egal ob bei Rom oder Juve, Saison um Saison habe ich gut gespielt und Fortschritte gemacht. Nach neun Jahren in Italien war ich bereit diese neue Herausforderung anzunehmen. Es war der richtige Moment um es zu probieren. Ich traf aber auf einen Trainer, der nicht wusste, was er tun sollte.

Foto: teras.id / Miralem Pjanić an seinem ersten Tag in Barcelona.

Bis heute weiß ich nicht, was er genau von mir wollte. Er hat auch nicht versucht mir Sachen zu erklären oder eine Lösung zu finden. Ich war es, der nachfragen musste, was er von mir wollte, wie er sich das vorgestellt hat, was ich gut oder auch schlecht mache, damit ich schneller Teil der Mannschaft werden und eine Hilfe sein kann. In einer Saison braucht es 17-18 Spieler um Titel zu gewinnen. Für ihn gab es keine Probleme in meinem Spiel, er gab mir keine Antworten. Die Zeit verging, die Situation wurde schlechter, aber ohne Angabe von Gründen. Wie ich bereits sagte habe ich mich professionell verhalten. Das ist sehr schwer zu verstehen. Es gab viele Personen, die nicht verstanden haben was vor sich ging. Ich will spielen. Ich bin von meiner Qualität überzeugt und weiß, was ich der Mannschaft geben kann, um zu helfen. Natürlich braucht man dann noch Vertrauen, den Dialog, dass man Sachen ins Gesicht gesagt bekommt, was bei mir nie der Fall war. Ich hätte es bevorzugt, hätten sie mir die Sachen direkt gesagt. Das war eine sehr merkwürdige Form der Kommunikation, das habe ich zum ersten Mal so gesehen. Ich hatte in keiner Mannschaft Probleme, mit keinem Trainer. Ich weiß nicht, was passiert ist. Ich weiß es wirklich nicht.”

Marca: “Gehen wir Schritt für Schritt vor. Das 8:2 gegen Bayern München, der Trainerwechsel, der Wechsel von Luis Suarez, das Bürofax von Messi. Wusstest du, worauf du dich eingelassen hast?

Pjanić: “Ich kam in einer komplizierten Situation in den Verein. Der Verein hatte Schwierigkeiten. Es war klar, dass der Verein Schwierigkeiten hatte, da man die Saison davor in der Champions League nicht gut war und es Druck auf die Mannschaft durch die Sponsoren gab. Barca ist ein Verein, der immer gewinnen will. Als ich ankam sah ich eine starke Mannschaft, Spieler mit Qualität, diese Mannschaft konnte LaLiga gewinnen. Es war eine komplizierte Lage, da ich aufgrund meiner Corona Erkrankung zwei Wochen später ankam und wir einen neuen Trainer hatten. Meine Lage verkomplizierte sich gleich zu Beginn. Ich trainierte am Anfang alleine mit den Fitnesstrainern um näher an die Mannschaft ranzukommen. Es vergingen zwei, drei, vier, sieben, zehn Tage und der Trainer [Koeman] kam nie um mit mir über die Saison, über mich zu sprechen, um überhaupt zu sprechen, mich mit der Mannschaft bekanntzumachen, so wie es sonst immer getan wird. Sehr merkwürdig, aber in Ordnung. Es war nur der Anfang, ok, ruhig, arbeite weiter, ich werde kämpfen um zu spielen, damit ich gut in Form bin. Nichts passierte. Die Zeit verging und mal spielte ich, mal nicht, dann wieder spielen, dann nicht. Es lief gut, ich machte meine Spiele, aber ich wollte mehr, um der Mannschaft mehr zu geben. Ich bin eine Person, die immer das Maximum und mehr geben will. Es gab dann einen Punkt, wo ich weniger gespielt habe, wo es schlechter wurde. Es ist dann schwer physisch und psychisch gut drauf zu sein, da man kein Vertrauen spürt, es keine Kommunikation mit dem Trainer gibt. Es war sehr seltsam, ich weiß nicht wieso. Am Ende entscheidet zwar der Trainer, wer spielt und wer nicht, aber es gibt andere Art und Weisen um sowas zu sagen. Ich kann alles verstehen, aber ich hätte es besser gefunden, wenn sie es mir ins Gesicht gesagt hätten. Nicht so, als wäre nichts gewesen und ich wäre 15. Ich habe bis zum Ende gekämpft und mich professionell verhalten. Ich habe immer gearbeitet um meinen Mitspielern in den Vorbereitungen eine Hilfe zu sein. Ich wusste aber: wenn der Trainer hier bleibt, dann muss ich eine andere Lösung finden.”

Marca: “Die Saison fing an und du kamst in der Champions League zum Einsatz, jedoch nicht in der Liga, es gab keine Konstanz. Was war der Grund dessen?

Pjanić: “Das fragt mich jeder. Alle wollen wissen, wieso. Auch ich will es wissen. Mir wurde nie gesagt, ob sie eine Doppelacht wollen, oder mich als alleinigen Sechser vor der Abwehr, wie Sergio Busquets, wie ich es die letzten vier Jahre gemacht habe. Mit einer Doppelacht habe ich es an der Seite von Khedira bis ins Finale der Champions League geschafft. Ich habe bereits auf allen Positionen gespielt, aber er sah mich auf keiner. Ich hatte keine eindeutige Position. Im besten Falle kam ich rein und durfte fünf, zehn Minuten spielen… oder mich 45 Minuten lang aufwärmen nur um dann nicht zu spielen. Es war nicht einfach. Du musst hart bleiben, klar im Kopf. Manchmal kannst du auf den Trainer schlecht zu sprechen sein, das ist Fußball. Ich war dennoch sehr respektvoll ihm gegenüber, auch vor den Mitspielern. Jeder von ihnen wird bestätigen, dass ich immer gut trainiert und gearbeitet habe. Selbst an freien Tagen habe ich trainiert um nicht außer Form zu kommen. Der Trainer hingegen hat mich von Anfang an abgeschrieben.

Foto: fussballeuropa.com / Miralem Pjanić im Champions League Spiel gegen Juventus Turin um Cristiano Ronaldo.

Es war schwierig zu akzeptieren. Ich habe bis zum Ende gehofft, dass sich die Dinge ändern würden, aber es passierte nichts. Ich machte alle Spiele in der Champions League, wir gewannen 0:2 gegen Turin, dann fing LaLiga an und ich war wieder raus. Es war sehr schwer zu verstehen, was dieser Trainer von dir will. Ich ging zu ihm um ihn zu fragen ‘Trainer, mache ich etwas schlecht, ist meine Einstellung schlecht, was genau willst du von mir’, um zu wissen, was ich machen muss. Es hätte sein können, dass er andere Dinge wollte als Allegri, Sarri, Luis Enrique oder Spalletti. Alle haben ihre eigenen Vorstellungen, aber man muss miteinander sprechen, zum Wohl des Teams. ‘Nein, nein, Mirem, es ist nur Rotation, ich habe kein Problem, deine Einstellung ist gut’. Gut, aber danach verstrich noch mehr Zeit. Ich verstand ihn nicht, ich dachte ich könnte ein guter Spieler für ihn, aber auch für meine Mitspieler sein. Ich habe eine professionelle Einstellung. An freien Tagen trainierte ich, manchmal blieb ich nach dem Training länger da. Ich hätte noch mehr gegeben, wenn er gewollt hätte. Aber er ist ein sehr, sehr seltsamer Trainer, das habe ich zum ersten Mal gesehen.”

Marca: “Auch wenn dir nichts gesagt wurde, was denkst du war der Grund, der das alles erklären könnte? Denkst du ihm gefiel nicht, dass du mit der Presse gesprochen hast?

Pjanić: “Ich habe mich das ehrlich gesagt oft gefragt. Ich habe darüber nachgedacht, was ich schlecht gemacht haben könnte. Vielleicht kann es sein, dass es ihm nicht gefiel, als ich in den Medien gesagt habe ich möchte mehr spielen. Aber jeder andere Trainer würde sagen ‘Alles klar, das ist ein ehrgeiziger Spieler, mir gefällt, dass er was sagt’. Von Angesicht zu Angesicht herrschte nicht. Das war schwierig, weil ich zum ersten Mal so behandelt wurde.

Marca: “Hast du im Verein nach einem Ansprechpartner gesucht um eine Lösung zu finden?”

Pjanić: “Ich habe mit jemandem gesprochen, ja. Am Anfang ein wenig. Später, fast am Ende, kamen sie um mir zu sagen, dass sie meine Enttäuschung verstehen können, dass sie gesehen habe wie gut ich trainiere und dass ich gut drauf bin, aber sie konnten nichts machen. Sie könnten sich nicht in die Angelegenheiten des Trainers mischen. Niemand verstand es. Sie bedankten sich für die Einstellung und meine professionelle Herangehensweise. Ich verstand, dass der Verein sich, bevor er mich unter Vertrag nahm, darüber informierte, wer ich bin. Ich bin ehrgeizig. Schon immer war ich in der Mannschaft positiv aufgefallen, auch hier. Für mich war es eine Ehre mit diesen Spielern zu sein. Geri [Gerard Pique], Leo [Lionel Messi], Busi [Sergio Busquets], Jordi [Jordi Alba] und viele andere. Ich habe einen anderen Fußball gesehen. Ich hätte es gut gefunden der Mannschaft noch mehr zu helfen, aber ich bekam nicht die Möglichkeit dazu.”

Marca: “Das Schlimmste folgte dann im zweiten Teil der Saison. Elf Spieltage ohne zu spielen. Fünf Einwechslungen. Wie hast du das durchlebt?

Pjanić: “Wenn du genau hinschaust war ich nicht der Einzige [Umtiti, Junior Firpo und Riqui Puig könnte er meinen]. Ich möchte nicht über die anderen sprechen. Was denkst du wie es mir ging? Von Ende Februar bis May habe ich so gut wie nie gespielt. Ich war sehr enttäuscht, traurig, ich hätte mir sagen können ‘Ich habe noch drei Jahre Vertrag. Soll passieren, was passiert, es interessiert mich nicht’. Aber so bin ich nicht. Es ist eine schwierige Situation, aber ich werde kämpfen. Ich werde Zusatzschichten einlegen, denn diese Person [Koeman] wird sich niemals ändern. Der Trainer dachte das wäre eine Respektlosigkeit gegenüber der Mannschaft.

Foto: weltfussball.de / Saß in Barcelona leider öfter auf der Bank als allen lieb war: Miralem Pjanić

Diejenigen, die nicht gespielt haben, haben nach einem Spiel ein hartes Training gemacht, während die anderen sich für das nächste Spiel erholten. Das Schlimme für mich war, dass der Trainer sich die Einstellung von denen, die nicht gespielt haben, nie angesehen hat. Das habe ich zum ersten Mal gesehen. Wie soll man sich dem Trainer aufdrängen? Wie kann ich was ändern, wenn er sich nicht ansieht, wie ich trainiere und welche Einstellung ich an den Tag lege? Wenn ein Spieler eine schlechte Partie abgeliefert hat gucke ich mir an, wie er sich am nächsten Tag verhält. Das ist eine der brutalsten Sachen, die ich gesehen habe. Für mich ist es ein Zeichen von Respektlosigkeit. Wir kämpften, es war nicht einfach für uns, die nicht spielten, und der Trainer war die ganze Zeit nicht für uns da. Das sage ich deswegen, weil ich es gesehen habe. Jetzt ist alles vorbei. Ich habe eine Lösung gefunden um zu spielen und zu kämpfen, ich bin sehr glücklich.”

Marca: “Es wurde vermutet, dass Barca ihn entlassen würde?”

Pjanic: “Das ist eine Frage für euch, nicht für mich. Ich habe immer alles verstanden. Im Leben hat jeder mal Probleme. Aber es gibt Wege, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Ich bin nicht dumm, ich habe Verständnis, aber ich spreche stets respektvoll. Ich habe dem Verein viel geholfen. Es wurde viel über die Gehälter, uns Spieler geredet. Bevor ich zu Barca kam habe ich mich darum bemüht weniger zu verdienen als bei Juve. Aber ich möchte nicht darüber sprechen. Während der ganzen Saison wurde nicht gesprochen, nur am Anfang. Die Frage war wie es mir geht, da ich nicht spielte. Ich antwortete ehrlich, ohne etwas schlechtes zu sagen. Ich hoffe, dass es Barca bald finanziell und sportlich besser gehen wird. Meinen Mitspielern wünsche ich, dass sie viele Titel gewinne. Sie haben ein hohes Niveau und Qualität. Aber wir alle wissen, in welcher Situation sich der Verein befindet. Ich hoffe, dass sich alles zum Besseren wendet”.

Marca: “Es wurde veröffentlicht, dass du auf Gehalt verzichtest. Warum hast du das getan?”

Pjanic: “Ich bin jemand, der den Fußball mag. Die finanziellen Aspekte sind immer wichtig. Aber mir, nach meinem Sohn, im Leben noch wichtig ist, ist Fußball. Glücklich sein, kämpfen, mit den Mitspielern reisen und alles, was dazugehört. Ich habe das ohne Probleme gemacht, weil glücklich sein das Wichtigste ist”.

Foto: SkySport / Immerhin hat er noch das Trikot der aktuellen Saison bekommen.

Marca: “Ist die Tür bei Barcelona zukünftig für dich geschlossen?”

Pjanić: “Ich habe einen Vertrag. Mit dem Verein gab es immer gute Gespräche, nur hatte ich mit diesem Trainer kein Glück. Aber Barca ist immer noch Barca. Bevor man von hier weggeht, überlegt man es sich zehn Mal. Sollte ich aber vor der Entscheidung stehen, ob ich dort null Minuten spiele oder woanders um die Champions League kämpfe und 30-40 Spiele mache…dann werde ich mich für das Zweite entscheiden. Ich bin voll konzentriert und zufrieden. Ich kann es kaum abwarten mit Besiktas loszulegen und ich denke, dass ich hier sehr glücklich sein werde”.

Marca: “Bereust du es den Vertrag bei Barca unterschrieben zu haben?”

Pjanić: “Nein, niemals. Was passieren soll, passiert. Ich habe mein ganzes Leben lang gekämpft, ich bin sehr ambitioniert, sehr ehrgeizig. Ich habe das Niveau von Juve und Barca erreicht. Ich weiß, dass ich in solchen Mannschaften spielen kann, nur habe ich nicht die Möglichkeit bekommen in diesem Team mehr zu helfen.”

Marca: “Hat der Respekt bei ihnen gefehlt?”

Pjanić: “Vom Trainer, ja. Ja.”

Klicke um zu kommentieren

Mehr von Allgemein