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Landesverräter und Weltrekorde: Zwei spannende Geschichten aus dem bosnischen Fussball

Landesverräter und Weltrekorde: Zwei spannende Geschichten aus dem bosnischen Fussball

Izet Hajrovic – Vom Landesverräter zum Nationalhelden

Am 4. August 1991 kam Izet Hajrovic im Schweizerischen Brugg als Sohn bosnischer Einwanderer auf die Welt. Hajrovic wuchs im Kanton Aargau auf und gilt als klassischer “Secondo”, wie die nachkommende Ausländergeneration von Einwanderer Eltern in der Schweiz betitelt wird. Hajrovics fussballerisches Talent wurde vom Schweizer Rekordmeister Grasshopper-Club Zürich (GCZ) im Rahmen eines Scouting-Tourniers im zarten Alter von neun Jahren erkannt. Er durfte sogleich nach seiner ersten fussballerischen Station beim FC Windisch den grossen Schritt in die Juniorenabteilung des renommierten Schweizer Vereins machen. Hajrovic unterschrieb im Jahr 2009 seinen ersten Profivertrag beim GCZ und mutierte zu einer festen Grösse im Team. Seine Leistungen blieben auch nicht unbeachtet beim Schweizerischen Fussballverband. Hajrovic wurde für die U-20 sowie U-21 Nationalmannschaft aufgeboten und durfte jeweils vier Spiele absolvieren. Nach seinen weiteren starken Leistungen im Verein wurde der Mittelfeldspieler im November 2012 vom damaligen Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld für das Testspiel der Schweizer gegen Tunesien aufgeboten und kam für einige Minuten zum Einsatz.

Zeitgleich bekundete auch der bosnische Fussballverband sein Interesse an einem Aufgebot Hajrovics, damit dieser künftig für die bosnische Nationalmannschaft spielen wird (lediglich bei einem Einsatz in Pflichtspielen beendet es die “Wahlmöglichkeit” eines Doppelbürgers für die Auswahl seiner künftigen Nationalmannschaft, daher galt der Einsatz im Testspiel gegen Tunesien nicht). Edin Dzeko schaltet sich in die hitzigen Diskussion ein und goss mit einer Aussage mächtig Öl in die bereits feurige Diskussion. Dzeko schrieb auf Twitter, die “Zwei Schweizer (Hajrovic und Haris Seferovic) sollen so weit wie möglich von unserem heiligen Land fernhalten” und postete dazu ein Bild der bosnischen Nationalflagge. Zeitgleich bezeichnete er Senad Lulic, der ebenfalls in der Schweiz aufgewachsen war und trotzdem für die bosnische Nationalmannschaft spielt als “richtigen Bosnier”.

Im Juni 2013 unterzeichnete Hajrovic in Sarajewo eine Absichtserklärung beim bosnischen Fussballverband und verkündete, fortan nur noch für die bosnische Nationalmannschaft spielen zu wollen. Als offizielle Begründung kommunizierte Hajrovic, er spüre das Vertrauen in der Schweizer Nationalmannschaft nicht und sehe keine Chancen dort spielen zu können. Hajrovic wurde vom damaligen Trainer Safet Susic für die beiden kapitale WM-Qualifikationsspiele jeweils gegen die Slowakei im September 2013 aufgeboten. Und dann die unglaubliche Geschichte: Im vorentscheidenden Spiel für die Qualifikation auswärts gegen die Slowakei wird Hajrovic in der 76. Minute für Misimovic eingewechselt. Keine 90 Sekunden später trifft der Neo-Nationalspieler nach einer Vorlage von Ibisevic mit einem Wahnsinns-Hammer aus über 30 Meter zum entscheidenden 1:2 für Bosnien und stiess die WM-Türe sehr weit auf für uns. Ironie der Geschichte: Edin Dzeko war einer der ersten, der beim Torjubel von Hajrovic hinzueilte und diesen ausgiebig feierte – Hajrovic avancierte vom Landesverräter zum absoluten Nationalhelden. So schnell kann es im (bosnischen) Fussball gehen!

Foto: zimbio

Die bosnischen Weltrekorde – Begovic und Kolasinac im Fokus

Wer hält den Weltrekord für das aus der weitesten Entfernung erzielte Tor im Profifussball? Es handelt sich um keinen geringeren als unseren Nationaltorhüter Asmir Begovic. Am 2. November 2013, damals noch im Trikot von Premier League Verein Stoke City, erzielte Begovic nach einem Abschlag aus dem eigenen sechzehner ein unglaubliches Tor aus über 92 Meter Entfernung! Pikant: Er düpierte damals seinen aktuellen Torhüter-Teampartner Artur Boruc, der zurzeit die Nr. 2 im Tor von AFC Bournemouth ist. Hier das Tor im Video:

Einen eher etwas unglücklichen Rekord hält hingegen unser bosnischer “Panzer” Sead Kolasinac. Dieser Moment schmerzt noch immer jedes bosnische Fussballherz: Im legendären Stadion Maracana in Brasilien im allerersten WM-Spiel der bosnischen Fussballgeschichte gegen Argentien erzielt Kolasinac nach 2:42 das schnellste Eigentor, das jemals an einer WM-Endrunde erzielt wurde. Hier der schmerzliche Moment im Video:

 

 

 

 

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