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Düsteres Kapitel: Als die Politik den bosnischen Fussball fast zerstörte

Düsteres Kapitel: Als die Politik den bosnischen Fussball fast zerstörte

Düsteres Kapitel beim bosnischen Fussballverband

Im April 2011 erhielt die Geschichte des bosnischen Fussballverbandes ein rabenschwarzes Kapitel. Ein Exekutivkomitee der FIFA und UEFA hatte zuvor in einer Dringlichkeitssitzung entschieden, dass der bosnische Fussballverband per sofort aus allen laufenden internationalen Wettbewerben auf Klub- sowie Nationalmannschaftsebene ausgeschlossen wird. Dies war zu diesem Zeitpunkt besonders bitter, da die Nationalmannschaft eine durchaus passable Leistung erbrachte in der Qualifikation für die Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. Die Nationalmannschaft befand sich in der Qualifikations-Gruppe mit Frankreich, Rumänien, Weissrussland, Albanien und Luxemburg. Eine (direkte) Qualifikation erschien durchaus realistisch. Aufgrund des Ausschlusses stand das bevorstehende wichtige Gruppenspiel gegen Rumänien am 03. Juni 2011 auf der Kippe. Eine Forfait Niederlage (0:3) und der Abbruch der EM-Kampagne droht. Doch was ist genau geschehen?

Der bosnische Fussballverband hatte an der Führungsspitze dasselbe Rotationssystem wie an der Staatsspitze. Bosnien besitzt entsprechend dem Dayton-Friedensabkommen, mit welchem Ende 1995 der vierjährige Krieg beendet worden war, ein dreiköpfiges Staatspräsidium, in welchem die drei Staatsvölker – Bosniaken (Muslime), Serben und Kroaten – je einen Vertreter stellen und sich an der Führungsspitze im Laufe einer Funktionsperiode ablösen. Dies war den internationalen Verbänden ein Dorn im Auge, sie wünschten einen starken Mann an der Spitze. Bosnien-Herzegowina hätte bis zum 31. März 2011 Statuten verabschieden müssen, die den Vorgaben von FIFA und UEFA entsprechen. Dies ist nicht geschehen, bei der NFSBIH-Generalversammlung vom 29. März hatten die überarbeiteten Statuten die erforderliche Stimmenmehrheit verfehlt. Nur 22 von 54 anwesenden Delegierten hatten zugestimmt.

Trotz des Faktes, dass sich die Politik in den bosnischen Sport eingemischt hatte, fand die Entscheidung der FIFA und UEFA nicht überall Zuspruch. Bayerns Vorstandschef und damaliger Vorsitzender der europäischen Klubvereinigung ECA Karl-Heinz Rummenigge äusserte sich wie folgt dazu:  “Die Klubs können Opfer von politischen Fragen innerhalb des Verbandes werden. Die Auswirkungen dieser Suspendierung, verhängt aus Gründen, die nichts mit dem Verhalten der Klubs zu tun haben, könnten den Vereinen und den Spielern schaden. Die Klubs dürfen nicht Opfer der aktuellen Situation sein”, und appellierte an die Dachverbände, diesen Punkt zu berücksichtigen.

 

Rettung in letzter Sekunde

Der nicht zu glaubende Ausschluss des bosnischen Fussballverbandes war Tatsache. Ein Notvorstand unter der Leitung von Ivica Osim wurde ins Leben gerufen. Diese Task Force sollte die unwilligen Delegierten für die neue von der UEFA/FIFA geforderte Satzung gewinnen. Doch wie sooft im Geschehen das bosnischen Alltages und seiner Politik scheiterten jegliche Lösungsansätze an der Zustimmung der bosniakischen, serbischen und kroatischen Delegierten. Am 26. Mai 2011, knapp 1 Woche vor dem nächsten EM-Qualifikationsspiel, konnte im extremis eine interne Kompromiss Lösung gefunden werden. Am 30. Mai 2011 hoben die FIFA und UEFA die Suspendierung des bosnischen Verbandes auf. Wäre dies nicht erfolgt, so wäre der Verband für mindestens ein weiteres Jahr von allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen worden.

Doch trotz der Rettung in letzter Sekunde konnten aus sportlicher Sicht keine weitere Erfolge in der Kampagne verbucht werden. Das am 03. Juni 2011 angesetzte Spiel gegen Rumänien ging auswärts mit 0:3 verloren. Im letzten Gruppenspiel in der Direktbegegnung gegen Frankreich in Paris spielten beide Mannschaften um die direkte Qualifikation. Bosnien ging im Spiel mit 1:0 in Führung. Frankreich glich kurz vor Spielende mit einem (umstrittenen) Elfmeter zum 1:1 aus und konnte sich mit diesem Endresultat direkt qualifizieren. Bosnien spielte in der Relegation gegen Portugal. Das Hinspiel in Bosnien endete 0:0, auswärts in Portugal ging unsere Nationalmannschaft gleich mit 2:6 baden und verpasste somit die Qualifikation für die Europameisterschaft.

 

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