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Bosnien-Herzegowina: Wo die Nationalhymne spaltet statt eint

Bosnien-Herzegowina: Wo die Nationalhymne spaltet statt eint

Politik und andere Desaster

Eine Hymne stellt ein nationales Symbol dar mit der Funktion, ein Land zu einen. In Bosnien-Herzegowina jedoch unterstreicht die Nationalhymne hingegen die Spaltung des multiethnischen Staates: Da sich die aktiven Politiker nicht auf einen spezifischen Text einigen können, bleibt die Hymne seit nun mehr als zwanzig Jahren ohne ein Wort.

Anfang der letzten Woche hat die für Verfassungs- und Rechtsfragen definierte Kommission aus dem Parlament einen neuen Vorstoss unternommen, der bosnisch-herzegowinischen Hymne Worte zu verleihen. Doch die Politiker aller drei Volksgruppen (Kroaten, Serben und Bosniaken), lehnten diesen Vorstoss umgehend wieder einmal ab. Momcilo Novakovic, ein Abgeordneter der bosnisch-serbischen Partei “Nationale Demokratische Bewegung”, die drei Volksgruppen könnten sich schlichtweg nicht auf einen gemeinsamen Text einigen: “Deshalb gibt es auch keinen Text, den das Parlament unterstützen könnte. Ich glaube, diese Initiative ist zum Scheitern verurteil”, wurde er auf der Website von “Balkan Insight” zitiert.

Das Scheitern dieser Vorstösse ist in Bosnien-Herzegowina jedoch politisch forciert und erwünscht. Die Politiker ihrer jeweiliger Volksgruppe profilieren sich durch Nutzung der gesamtstaatlichen Symbole. Die heutige Staatsform Bosnien-Herzegowina, die durch den Friedensvertrag von Dayton 1995 nach dem Bosnienkrieg erschaffen wurde, basiert auf einer feinen politischen Balance zwischen den verschiedenen Ethnien. Diese sind sowohl in der Exekutive (ausführende Gewalt; Polizei, Staatsanwälte, etc.) wie auch in der Legeslative (gesetzgebende Gewalt) fast gleichmässig vertreten – dies macht eine Entscheidungsfindung quasi unmöglich und führt zum aktuellen politischen und wirtschaftlichen Stillstand des Landes.

In der Vergangenheit wurden bereits mehrere Vorstösse vorgenommen um endlich einen neuen Text zu definieren. Als nennenswertestes Ereignis lässt sich ein Wettbewerb vom Parlament aus dem Jahr 2009 erwähnen. Die bosnische Bevölkerung wurde aufgefordert, Vorschläge für eine neue Hymne einzureichen. Aus diesem Wettbewerb gingen sogar über 300 Einsendungen ein. Ausgewählt wurde der Vorschlag vom Komponisten der Nationalhymne, Dusan Sestic, der den Vorschlag zusammen mit Benjamin Isovic verfasst hatte. Der Titel des neue Hymnen Vorschlages lautete “Zusammen schreiten wir in die Zukunft”, der im Text die Naturschönheiten von Bosnien-Herzegowina und den blauen Himmel beinhaltet. Doch auch dieser Vorschlag wurde durch die Politiker abgelehnt mit der absurden Begründung, dass ein Text der nicht die namentlich Erwähnung aller drei Volksgruppen besässe inakzeptabel sei die neue Hymne des Landes zu repräsentieren.

 

Die Hymne besass bereits einmal einen Text

Bosnien-Herzegowina besass bereits einmal zwischen 1995 und 1999 eine Nationalhymne mit dem Namen “Jedna si jedina”. 1998 wurde der Text durch den Spanier Carlos Wesendorp, der damalige Hohe Repräsentant und “Kontrolleur” der Einhaltung des Daytoner Friedensvertrages, abgeschafft. Er war der Ansicht, das Land brauche eine Nationalhymne, die alle drei Volksgruppen einschliessen. Die Popularität der neuen textlosen Hymne war im Land jedoch stets begrenzt und kaum verbreitet. Die Hymne “Jedna si jedina” wird jedoch von den bosnischen Sportfans- und Zuschauer, die in der Regel vorwiegend aus Bosniaken bestehen, beim Abspielen der Nationalhymne auf den Rängen gesungen.

 

 

 

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